Vor knapp 2 Wochen, mit Start der Fastenzeit, habe ich beschlossen meinen Körper von ernährungsbegründeten Lasten zu befreien. Easy, dachte ich mir. Ich habe mir das Ziel gesetzt, wie bereits berichtet 14 Tage dem Veganismus zu frönen, weil dieser Hype als „gesund“ suggeriert wird und ich einfach neugierig darauf war, wie mein Körper damit umgehen würde.

Ein gesunder Veganer ernährt sich grundsätzlich sehr nährstoffreich, durch erhöhte Aufnahme von Gemüse und Obst, sowie Hülsenfrüchte.

Mögliche „Gefahren“ an Nährstoffmängel:

  • Eisenmangel
  • B12 Mangel
  • Proteinmangel
  • Kalzium

Viele Veganer werden nun einen Aufschrei machen und sagen: „Oh mein Gott, nein das stimmt nicht! Mein Blutbild ist wunderschön- schöner als je zuvor!“- ja, wissen wir schon (*gääähn*). Keine Angst, diese kritischen Punkte sind eigentlich auch alte Schule. Es ist längst bewiesen, dass man den Eisenbedarf, sowie Kalzium durch eine vegane BEWUSSTE und GESCHULTE Ernährung decken kann- sofern man die genetischen Voraussetzungen erfüllt– jeder von uns nimmt Nährstoffe anders auf. Natürlich sind diese Mängel mit einer (ich nenne es mal so) flexitarischen Ernährung leichter zu beheben, als mit einer strengen veganen Ernährungsform, aber dennoch bestimmt möglich. Ein Vitamin B12 Mangel macht sich erst nach einigen Jahren bemerkbar, weil B12 lange gespeichert wird. Um den Proteinbedarf zu decken, sollte man als Veganer oft/täglich  Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen zu sich nehmen. Auch Lebensmittel, wie Reis und Getreide enthalten Proteine, aber: realistisch betrachtet enthalten diese Lebensmittel weniger Protein, als zum Beispiel Topfen und Fleisch. Immerhin gibt es proteinreiche Sojaprodukte mittlerweile in Hülle und Fülle, also was ich damit sagen will: Ja, es ist möglich vegan und damit ausgewogen zu leben.

Aber nicht für mich.

Ich musste das Projekt „2 Wochen vegan“ abbrechen.

Eigentlich habe ich mich richtig darauf gefreut in eine neue Welt der Ernährung hineinzuschlüpfen und „andere“ Produkte kennenzulernen, sowie „andere“ Zubereitungsformen (wie backt man zum Beispiel einen Kuchen ohne Ei?). Ich war mir sicher, ich konnte nach diesen 2 Wochen ein wenig mitreden, um zu verstehen, was am Veganismus so faszinierend sei.

Meine folgenden Punkte sind subjektiv zu beurteilen und entsprechen keiner individuellen Ernährungsempfehlung. Es handelt sich lediglich um einen persönlichen Erfahrungsbericht.

Zunächst einmal die positiven Aspekte, die mir aufgefallen sind:

  • Mehr Energie

Ich empfand den Alltag nicht mehr so energieaufwendig, habe immer gut geschlafen und konnte spielerisch auf Kaffee Nummero 2 am Nachmittag verzichten, weil ich ihn einfach nicht benötigt habe.

  • Leichtigkeit

Mein Körper fühlte sich nach veganen Mahlzeiten sehr unbeschwert und „sauber“ an, nicht schwermütig und träge.

Nun zu den negativen Aspekten:

1) Vegane proteinhaltige Lebensmittel sind teuer.

Mittlerweile ist es möglich tierische Produkte, wie Käse, Fleisch, Topfen, Joghurt, etc. durch pflanzliche Lebensmittel zu ersetzen. Man kauft stattdessen einfach veganen Käse, Seitan als Fleischersatz, Tofu, Sojajoghurt oder Kokosjoghurt. Aber ist es notwendig Joghurtersatzprodukte aus Südamerika zu importieren, die noch dazu das 4- fache von einem stinknormalen Bio- Joghurt kosten? Ein kleines Kokosjoghurt 125g kostet 1,99€, während ein 200g Naturjoghurt 0,69€ kostet und ich esse jeden Tag ein Joghurt zu meinem Müsli, das wird mir auf Dauer zu teuer.  Wieso kostet eine Packung veganer Käse 2,99€ für 6 kleine Scheiben? Und noch dazu ist im veganem Käse lediglich Fett und Zucker enthalten, nicht einmal Proteine.

Betrug!

Kokosmilch und Mandelmilch kostet das Doppelte bis Vierfache, als normale Milch. Dinkel- oder Hafermilch enthalten leider kaum Proteine, sind aber wenigstens günstiger.

2) Fragwürdige Qualität von Ersatzprodukten.

Was man nicht vergessen darf: Eiweißersatzprodukte, wie Würste, Käse und Co. Enthalten utopische Mengen an Soja und Gluten aus intransparenter Quellen. Woher kommt das Soja? Woher wurde das Gluten  gewonnen? (Anm.: Gluten ist das Klebereiweiß im Weizen und hat ein hohes Allergie- und Unverträglichkeitspotential)

3) Meine Verdauung spielte Achterbahn.

Bauchkrämpfe, ständiger WC- Gang, das waren meine hauptsächlichen Gründe, weshalb ich die vegane Fastenwoche abbrechen musste. Viel schlimmer war jedoch, dass meine 1 jährige Tochter auch diese Symptome zeigte. Ich hab sie nicht vegan ernährt, allerdings stille ich sie noch und dadurch trinkt sie das, was ich esse.

Am ersten Tag, an dem ich wieder Fleisch gegessen habe, hat sich bei uns beiden wieder alles normalisiert und uns geht es damit viel besser.

4) Frustration im Restaurant.

Wenn man schon ein Lokal findet, in dem vegane Produkte angeboten werden, dann hält  sich die kulinarische Ausbeute in Grenzen. Ungefähr 5-10% der angebotenen Speisen sind vegan und da bleibt nicht viel übrig, außer Gemüse mit Nudeln…

…oder Gemüse mit Reis.

Beim Asiaten habe ich mir extra Sojabohnen dazu bestellt, um mehr Proteine zu erhalten- habe gleich mal wieder 4€ pro Mahlzeit mehr dafür bezahlt. Billiger wäre ich gewesen, wenn ich eine nicht- vegane Speise gegessen hätte.

Man muss dazu sagen, hier hat es sich hauptsächlich um GESUNDE Lokale gehandelt. Angenommen, ich hätte ein typisch österreichisches Hausmannskost- Lokal besucht, wäre meine Ausbeute vermutlich auf Krautsalat mit Semmel reduziert. Und da frage ich mich, ist vegan hier noch gesund? Ist es mir das wert?

5) Keine Spontanität.

Unterwegs und schnellen Hunger? Normalerweise biege ich mit einem Schwung in die nächste Bäckerei ein und hole mir ein gefülltes buntes Weckerl to go. Was bleibt einem als Veganer übrig? „Ich nehme einen leeren Kornspitz, vielen Dank- nein sonst nichts!“. Mein Weckerl enthält Gemüse, Proteine und gute Kohlehydrate, sättigt gut und schmeckt. Was bleibt mir von einem leeren Kornspitz? Weniger Nährstoffe, Frust und bald wieder Hunger.

6) Keine Pancakes ohne Ei.

Versucht einmal Palatschinken ohne Ei zu braten. Funktioniert einfach nicht.

Ich bin mir ganz sicher, dass sich die Veganer unter euch etwas angegriffen fühlen, das sollte allerdings nicht mein Ziel sein. Ich ziehe meinen Hut vor jenen, die aus Liebe zu unserem Planeten und den Tieren, diesen Lifestyle wirklich durchziehen. Des Weiteren glaube ich aber auch, dass es wichtig ist die Meinung von Nicht- Veganern zu akzeptieren, denn vegane Ernährung ist bestimmt nicht für jeden geeignet. Wir Menschen sind Allrounder und waren durch die Evolution bisher gewohnt alles zu essen. Pflanzliche-, als auch fleischige Kost haben ihren Teil dazu beigetragen, dass wir alles verdauen und verstoffwechseln können- in überschaubarer Menge. Ich habe meinem Bericht über die „7 Fakten von Fleisch“ schon mal erwähnt, dass 2-3x Mahlzeiten Fleisch ausreichend sind. Wer zu viel davon isst, wird krank. Womöglich wird man auch krank, wenn man zu viel Tofu isst. Zumindest ich hätte Angst gehabt, dass mein Verdauungssystem komplett kippt.

Ich bin kein Veganer, ich bin Flexitarier und ich esse ALLES.

Ich esse Fleisch, vegetarisch und ab und zu vegan. Jeder muss für sich herausfinden, welcher Foodstyle zu ihm passt. Wichtig ist, dass es euch gut damit geht, ihr gesund bleibt und euch nicht von irgendwelchen Foodtrends in eine Schiene reinpressen lasst, die gar nicht zu eurem Körper passt und mit der ihr euch nicht identifizieren könnt!

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4 Gedanken zu „go flexitarier“

  1. Ein sehr aufschlussreicher Bericht. Ich ernähre mich seit meiner OP nur noch vegan – weil es mir seither besser geht. Aber nur weil es mir damit gut geht heisst das nicht automatisch, dass es allen anderen auch gut geht damit. Das hast du sehr schön auf den Punkt gebracht. Und ja vegane Ersatzprodukte sind überteuert. Da gebe ich dir recht. Gerechtfertigt finde ich das in keinsterweise. Ich bin dazu übergegangen viele Dinge (Joghurt, Muse, Milch, Brot, Kuchen etc.) selbst zu machen. Allerdings verstehe ich das dies a) nicht jeder möchte b) nicht jeder die Zeit dazu hat und c) diesen Aufwand auf sich nehmen möchte. Die Anfangszeit ist sicherlich schwierig. Vorallem bis man sich in der veganen Welt zurecht gefunden hat. Gewisse Dinge bleiben einfach eine kleine Herausforderung. Und einem „Trend“ (so wird es leider auch oft propagiert) hinterherzulaufen ist definitiv keine gute Wahl. Ganz gleich was für einem. Wichtig ist das es dir und deinem Krümel gut geht.

    1. Hi Alex! Vielen lieben Dank für dein Feedback, ich freue mich sehr, dass dir der Bericht gefallen hat! Und es ist schön, dass es dir mit der veganen Ernährungsweise besser geht, als vorher. Ich finde es unglaublich wichtig, dass man seinen eigenen Stil findet und sich selbst damit treu bleibt! Alles Gute dir! Lg Melanie

  2. Liebe Melanie
    Ein sehr schöner, ehrlicher Post. Mir geht es änhlich wie dir. Wir haben den Versuch auch hinter uns und ich kam damit nicht zu Recht. Mir fehlt die Zeit, vieles selbst herzustellen, ich komme nicht auf meinen Proteinbedarf und noch heute fehlen mir gesunde, nicht allzu kalorienreiche Ersatzprodukte. Gerade wenn es eben mal schneller gehen soll. Und als jemand der (fast) zuckerfrei lebt, habe ich es noch schwieriger empfunden. Ich hege grossen Respekt vor Familien, die das auf gute Art und Weise managen können. Vielleicht sogar Selbstversorger sind. Die Produkte sind wirklich sehr viel teurer, was ich schade finde. Und was auch nicht ganz belanglos ist, wenn man ein wenig aufs Budget achten muss. Ich koche und backe sehr gern, da wird immer mal wieder etwas ausprobiert oder ein veganer Tag eingeschoben. Genauso wie vegetarische. Aber für immer, war es nichts für mich.
    Liebe Grüsse aus der Schweiz
    Anita

    1. Liebe Anita,
      danke, dass du den Artikel so genau durchgelesen hast. Ich bin froh, dass ich mit meiner Meinung nicht alleine bin. Es ist doch ein Anfang, dass wir es mal ausprobiert haben, umsomehr kann ich nicht behaupten, Vegan- nein Danke. Zumindest nicht täglich. Viele Gerichte sind ja durchaus vertretbar, aber nicht jedes vegane Rezept ist auch gesund.
      Lg aus Österreich 🙂
      Melanie

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