Adventlauf Mödling- eine nasse Challenge

Der Adventlauf Mödling gehört für mich als eingesessene Mödlingerin seit Jahren zum jährlichen Fixtermin meiner beliebtesten Laufveranstaltungen. Ich wohne einen knappen Kilometer von der Startlinie entfernt.

Der Startschuss fiel am 27.11.2016 um Punkt 15.30. Ein Rennen beginnt bereits in der Vorbereitungsphase- ich habe mich entschlossen, diesen Blogpost als „Live- Gespräch“ zeitlich geordnet zu präsentieren, da ich so meine Gedanken chronologisch am besten niederschreiben kann.

Der Tag startet wie jeder anderer gemütlicher Sonntag… heute mit einer Adventkerze beim Frühstückstisch. Danach ging es auch schon los…

12:00 Ui, holly shit- ich muss meine Startnummer abholen!

13.30 ich beschließe noch ein wenig Erdäpfelsuppe zu essen, nicht zu fettig, wärmender und guter Energieträger. Ich hoffe, das Süppchen ist bis dahin verdaut…

14:00 Ich muss dauernd auf die Toilette, was ist das los? Bin ich nervös? Wieso das denn?

14:30 So, schnell mein Baby noch füttern, meinen Freund langsam vorbereiten, dass er sich fertig machen kann. Schließlich kümmert er sich während meiner schweißtreibenden Aktion um unser kleines Mädchen. Damit unsere Maus nicht friert, bekommt sie gleich 2 Hosen angezogen- sicher ist sicher! Der Babyschal bleibt dafür daheim… hab ich etwas vergessen? Hui, ich sollte mich mal umziehen…

15:00 ich starte pünktlich von meiner Haustüre weg, versuche trabend den Kilometer Richtung Startlinie zu kommen und meinen Körper aufzuwärmen. Es regnet. Wieso regnet es, JETZT? Vorher schien die Sonne, na toll. Aber, Regen ist mir egal, das härtet ab! Ich überlege mir, in welcher Zeit die 5km zu schaffen sind. Vor 2 Jahren, als ich topfit war, bin ich in 28 Minuten ins Ziel gekommen. Für gewöhnlich laufe ich 30 Minuten im Training. Ja, zugegeben, ich war nie die Schnellste, aber immer enthusiastisch genug um überall dabei zu sein. Jetzt bin ich erst seit kurzem wieder mit beleidigten Beckenboden ins Training eingestiegen, hab dieses Jahr eine Geburt hinter mich gebracht, schlaflose  Nächte, nicht viel Zeit fürs Training wie früher- ohne meinem Trainingspartner, einer muss ja Babysitter spielen…Mein Ziel daher, die 30 Minuten möchte ich schaffen, aber knapp darunter wäre optimal.

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15.10 An der Startlinie angekommen, wo sind die Menschen? Die meisten versuchen sich unter Häuservorsprüngen vor dem Regen zu schützen, ein paar wenige wärmen sich auf. Noch wenige Minuten bis zum Start… Wo ist mein Freund? Geht’s meiner Prinzessin gut? Ich habe Lisa, eine befreundete Mama gefunden, sie hat sich auch angemeldet für 5km- ich muss da also nicht alleine durch!

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15.20 Schon langsam stellt sich die Masse hinter der Absperrung auf. Verdammt, es ist eng hier– Vor mir ein 2 Meter großer Mann mit langen Haaren, der sich hüpfend aufwärmt und ich um jeden Zentimeter am Boden kämpfe, dass er mir nicht auf die Zehen hüpft. Hinter mir, kichernde ältere Damen, worüber sie reden, ich verstehe es nicht- die Lautsprecherdurchsage ist sehr laut. Einen Vorteil hat die Enge hier… Es ist angenehm warm. Lisa ist inzwischen weggedrängt worden und 3 Personen entfernt von mir.

15.30 Startschuss, los geht’s! Die ersten Meter dienen hauptsächlich dazu, sich an der Front Platz zu verschaffen und eine Armlänge Abstand zum Nachbarn zu gewinnen. Bei dem Versuch die Langsamen hinter sich zu lassen und die schnellen Übermotivierten vorbeizulassen, gilt es geschickt und koordiniert einen Schritt vor den anderen zu setzen, der Asphalt ist rutschig. Nach 300m spürt ich das Überlaufen von Lacken- und Regenwasser in meinem Schuh, meine Socken saugen sich mit dem kalten Nass an- ok, jetzt ist es ganz egal, nass ist geil, ich bin motiviert! Bloß nicht zu schnell werden zu Beginn. Wo ist Lisa?  Ach herje, weiter vorne- ich bin langsam! Es ist immer so schwer abzuschätzen zu Beginn des Rennens, ob man zu schnell oder zu langsam ist, wenn alle vorbeiziehen und meistens starten alle zu schnell.

15.33 Gut, ich bin aufgewärmt und mitten drin im Geschehen, die Leute überholen- ich brauche einen Pacemaker! Ich brauche eine Person, die mein Tempo läuft, bzw. ein wenig schneller ist als ich, an die ich mich psychisch anhalten kann. Wenn ich glaube jemanden gefunden zu haben, hüpfen mir dauernd irgendwelche Übermotivierten vor die Füße- ein Armzug der mich wegschiebt von rechts, hallo? Erlaufe dir doch deinen Platz, ich werde kurz grantig, versuche aber mich nicht lange darüber zu ärgern- konzentriere dich auf dich!

15.35 Schon langsam krieg ich die Atmung in den Griff, Kilometer 2 müsste langsam geschafft sein, es regnet und meine Garmin Uhr ist gut versteckt unter meinen Ärmeln, ich kann nicht nachsehen, ob mein Tempo passt. Aber vielleicht eh besser so, der Blick auf den Puls verschreckt mich immer nur in Wettkampfsituationen.

15.43 Halbzeit, Runde 1 geschafft. Ah da steht mein Freund, lässig angelehnt an der Punschhütte und gibt mir mit einem coolen Nicken zu verstehen, dass er alles unter Kontrolle hat. Schön, sehr motivierend, er läuft ja auch nicht durch den Regen. Lautsprecherdurchsage: 13,42 Minuten seit Startbeginn- WHAT? 2,5km in über 13 Minuten? Scheiße, damit habe ich nicht gerechnet, verdammt es läuft besser als gedacht– wie das? 2×13 ist 26!!! Uuuuuuuaahhhhhhhh…. Los los los! Das kann ich schaffen, meine persönliche Bestzeit! Adrenalin läuft durch Mark und Bein.

15.45 Was ist das? Nein, nein, nein- ist das etwa Seitenstechen? Oh nein, nicht mit mir. Seitenstechen ist für Anfänger- die haben da nichts zu suchen! Atmen, Melanie, atmen! Vier Schritte ausatmen, drei einatmen. Der Puls steigt, ich werde nervös- oh fu**, jetzt bloß nicht schlapp machen, es geht leicht bergauf, ich werde langsamer. Ich brauche einen Pacemaker….!?! Wieder eine Lacke, ok sch*** drauf, keine Energie mehr diesen nassen Geplantsche auszuweichen, nass bin ich ohnedies schon. Platsch. Konzertiere dich!

15.49 Wann endet diese Rennen eigentlich? Wieso tu ich mir das immer an? Ich möchte kurz gehen, was würde ich dafür geben, kurz zu gehen- nur gaaaaaanz kurz, bitte!! Nein, nein, nein- das geht nicht, du willst Bestzeit laufen- beweg deinen Ar*** und konzentriere dich, was sollen die Leute von dir glauben? Ich versuche mich auf meinen Atemrythmus zu konzentrieren, es funktioniert und langsam kommt er- der Flow. Jetzt wird alles ganz leicht plötzlich, die Beine laufen von alleine und ich merke, hell yeah, jetzt bin ich drin, jetzt läufts! In der Vorstellung denke ich an eine Lokomotive, die mir den Atemrythmus vorgibt (ok, manchmal neigt man wirklich zu komischen Gedanken beim Laufen), ich nehme nur das Plitsch- Platsch der Lacken und das gatschige Geräusch der Laufschuhe um mich herum wahr und bilde mir sogar ein anhand des Geräusches den Laufstil der Mitbewerber erkennen zu können. Es rennt gut, diese Gedanken lenken mich ab. Kein Seitenstechen sehr gut!

15.53 Da vorne ist die letzte Kurve, es sind noch ca 300m, soll ich schon angreifen? Um mich herum greift keiner zum Aufholsprint an, ist das taktisch klug? Was sagt die Zeit? Ich brauche meine Uhr…

15.56 Ich sehe das Ziel und greife an, überhole noch 2 männliche Mitstreiter, die Zielzeit kippt mit meinem Eintreffen auf 27:00 und ich weiß, ich habe es unter 27 Minuten geschafft, weil ich ca 10 Sekunden nach Startschuss erst über die Linie gelaufen bin und die Zeit ab da gemessen wird.

Oh, ich muss mich kurz wo anhalten, der Puls liegt bei 181, und braucht ein paar Sekunden um runterzukommen, das tut gut. Endlich. Geschafft. Ich habe es geschafft! Sogar unter den erhofften 28 Minuten, Bestzeit! Ich bin stolz und überwältigt! Und ich habe Lisa wiedergefunden, sie hat echt eine tolle Zeit hingelegt!

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In Summe: Platz 98 unter den 313 teilnehmenden Damen, unterm ersten Drittel- ich bin sehr zufrieden. In meiner Altersklasse belegte ich Platz 24 von 79.

Zur Belohnung haben ich uns aus dem Zielbereich einen Vollkorn- Nussmuffin gegönnt und genüsslich verspeist. Danach habe ich endlich meinen Freund gefunden, immer noch lässig am Punschstand lehnend und meine Tochter hat den Lauf zwar verschlafen, aber es geht ihr gut und das ist noch immer das Wichtigste!

Ich bin froh an der Veranstaltung teilgenommen zu haben, sie ist wie jedes Jahr gut organisiert, und die Verpflegung im Zielbereich einer der Besten, die es gibt- Ein „Daumen hoch“ für den Veranstalter. Einziges Manko: Laut GPS waren es keine 5km, sondern 4,93km. Dieses Feedback werde ich dem Veranstalter auch noch geben und bin schon gespannt auf die Antwort.

Trotzdem, nächstes Jahr wieder- vielleicht unter 26 Minuten…

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